Die Angst im Leben zu sein

Was mei­ne ich damit? Füh­le ich über­haupt eine Angst, im Leben zu sein?

Die meis­ten Men­schen, zumin­dest die, die in äußer­lich siche­ren Län­dern leben, füh­len die Angst mehr und weni­ger nicht, im Leben zu sein. Und den­noch den­ke ich, daß bei tie­fe­rem Hin­ein­füh­len in sich selbst jeder eine Angst in sich füh­len kann, die mit die­sem The­ma in Ver­bin­dung steht.

Für mich bedeu­tet, mei­ne Angst, im Leben zu sein, fol­gen­des:

Ich habe Angst, mich so zu zei­gen, wie ich bin. Ich habe gelernt, mich anzu­pas­sen an mei­ne Umwelt, an die Gesell­schaft, in der ich lebe, um nicht anzu­ecken, um Aner­ken­nung zu bekom­men, um sozi­al abge­si­chert durchs Leben zu kom­men. Aber die­ses Ich, nen­nen wir es Stra­te­gi­sches Ich, ent­spricht nicht dem Ich mit sei­nen Emo­tio­nen, tief in mir drin.

Wäre ich als Kind emo­tio­nal gesund genährt und unter­stützt wor­den von emo­tio­nal gesun­den Eltern, hät­te es ver­mut­lich kei­ne Stra­te­gi­sche Ich­bil­dung gebraucht. Ich könn­te so sein, wie ich von mei­nem See­len­strom her bin in die­sem Leben, genau so indi­vi­du­ell wie jede ande­re See­le, ein gesun­des Ich in Selbst­lie­be, Selbst­ver­ant­wor­tung und Selbst­au­to­ri­tät mit dem Bedürf­nis, in Bezie­hung zu sein mit mir selbst und mit mei­nen Mit­men­schen.

Da das lei­der nicht gesche­hen ist, mei­ne Eltern waren nicht emo­tio­nal gesund und deren Eltern und Groß­el­tern natür­lich auch nicht, muß­te ich mich an die Fami­li­en- und Gesell­schafts­struk­tu­ren anpas­sen, sonst gab es Zurecht­wei­sun­gen, Dro­hun­gen, Bestra­fun­gen, manch­mal auch in Form von Schlä­gen. Ich wer­de nie den Stock ver­ges­sen, der auf dem Schrank lag.

Da kom­men wir der Angst, im Leben zu sein, schon näher.

All die Ver­bo­te aus der Kind­heit, die Ermah­nun­gen, die ein­dring­li­chen Sät­ze, leben in mir so prä­gnant, als gäl­ten sie noch heu­te, in mei­nem Leben als Erwach­se­ne Frau.

Hin­zu kom­men all die Erleb­nis­se aus ver­gan­ge­nen Leben, die in mei­nem See­len­strom leben, die mich unbe­wußt beein­flus­sen in mei­nem Sein oder auch Nichtsein.

Das bedeu­tet für mich: mich zu zei­gen, so wie ich mich füh­le, mit dem was ich den­ke, zu han­deln, wie ich am liebs­ten han­deln wür­de, ist äußerst ris­kant für mich.

Ich habe Angst, mich zu zei­gen, wie ich wirk­lich bin.

Die­se Angst betrifft mich und mei­ne Umwelt.

Die Angst bezieht sich aber nicht nur auf das Außen, sie betrifft auch mich mit mir selbst. Ich habe auch Angst, mich selbst zu füh­len, wie ich mich füh­le, wäh­rend ich mich füh­le. Mei­ne Wider­stän­de und Stra­te­gien, also mein Stra­te­gi­sches Ich, wol­len das nicht. Für sie ist es viel zu bedroh­lich, alles in mir hoch­kom­men, auf­stei­gen zu las­sen, was sich gefühlt füh­len möch­te und was es auch braucht, sich gefühlt zu füh­len. Es gibt Aspek­te in mir, die gar nicht füh­len wol­len, erst recht nicht Gefüh­le von Angst.

Und den­noch, ob wir es bewußt füh­len oder nicht, liegt unter unse­rem Han­deln und Tun mehr und weni­ger die Angst, uns zu zei­gen, Angst vor Bestra­fung, wenn wir nicht kon­form sind, Angst, aus­ge­schlos­sen zu wer­den, wenn wir unse­re Wahr­heit brin­gen, Angst, zu ver­ein­sa­men usw.

Das ist das, was ich mei­ne mit der Angst, im Leben zu sein.

Ich wün­sche mir ein Leben mit immer weni­ger Angst, ich wün­sche mir, die Ängs­te in mir in aller Viel­falt füh­len zu kön­nen und sie so in mein Leben zu inte­grie­ren, sodaß sie mich nicht mehr blo­ckie­ren kön­nen in mei­ner Leben­dig­keit und Kreativität.